Links der Woche

  • Erst den Bären, dann die Bürger:

    “Der Hack bei Cozy Bear ermöglichte für ein bis zweieinhalb Jahre Zugang zum Netzwerk der russischen Einheit. Dadurch wurde möglicherweise relevantes Material für die FBI-Untersuchung zur russischen Beeinflussung des US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampfs beschafft. Nach Berichten von Volkskrant und Nieuwsuur haben die niederländischen Geheimdienste dieses an ihre US-Kollegen weitergeleitet. Bereits in der Vergangenheit hatten US-Behörden mehrfach angedeutet, sie hätten im Kampf gegen russische Cyberspione Hilfe eines befreundeten westlichen Landes erhalten.”

  • Sozialdemokraten! Was ist bloß mit Euch los? – Falk Steiner:

    “Das Prekariat beweinen und es zugleich herbeiführen, ein seltsamer Spagat.”

  • Wie wird Maschinenlernen das Rechtswesen innerhalb der nächsten paar Jahrzehnte verändern? – Quora:

    “Ich habe zu KI im Recht ein paar Jahre geforscht und bin der Meinung, dass automatisierte Entscheidungsfindung in der Regel nicht möglich sein wird.”

  • AI Won’t Be Quite the Revolution You Expect:

    “People naively believe that if you take deep learning and scale it 100 times more layers, and add 1000 times more data, a neural net will be able to do anything a human being can do, but that’s just not true.”

  • Tired of Trolls? Take Your Twitter to Germany:

    “But. About that internet. The swastikas, gas-chamber cartoons, monotonous anti-Semitic memes and caricatures, the doxing, the trolling, the bile toward people of color, immigrants, liberals, academics, journalists, women—these are eminently clear. Online, the noise is the signal. Because however rough and tumble you like your political discourse, this chills the bones; days of death threats can demoralize even the most hardened Twitter street kid.

    So, after the last barrage (…) I packed up and lit out in search of fewer Nazis. I left New York. I left the United States. And I settled in Germany.

    … Imaginary Germany. I’d gotten the tip from a canny Twitter user that—it was a rumor, really—you could reset your location in your Twitter profile and, in a flash, get the benefit of German anti-hate-speech laws.”

  • Wenn alle nur noch rumbrüllen, geh ich weg:

    “Natürlich schaute ich mir an, ob ich mich vielleicht insgesamt nicht mehr so viel mit Themen beschäftige, die mir mal so wichtig waren, dass ich Blogs und Social Media damit vollgeschrieben habe und stellte fest, dass das nicht stimmt. Ich schreibe nur nicht mehr drüber. Aber ich rede wieder mehr. Es ist, als ob ich vor 20 Jahren zum Reden ins Internet gegangen bin, weil ich Schwierigkeiten hatte, mit diesen lauten Menschen zu kommunizieren und jetzt gehe ich wieder zu den Menschen zurück, weil mir das Internet zu laut geworden ist.”

Links der Woche

  • Schnell-Analyse des Koalitionsvertrages aus Sicht der Behindertenpolitik:

    “Wir von AbilityWatch haben versucht zügig die relevanten Themen aus Sicht der Behindertenpolitik zusammenzutragen und erste kurze Kommentare unsererseits einzufügen. (…) Wir haben hier nur aufgelistet was sich im Koalitionsvertrag wiederfindet und nicht, was darin fehlt – was eine Menge wäre.”

  • Wie man mit Rechten redet, ohne mit Rechten zu reden:

    “Das neue und auf den ersten Blick ziemlich hervorragende Blog NichtmitRechtenreden.de
    hat nun in einer Rückschau die Übernahme der Facebook-Gruppen noch
    einmal analysiert und beschreibt sehr genau, welche Mechanismen dazu
    führen konnten, dass hunderttausende Menschen zum Spielball von ein paar
    wenigen Rechtsextremen werden konnten.”

  • Missverständnisse zur Blockchain | Notizblog:

    “Die Blockchain ist in aller Munde. Während die astronomischen Schwankungen, notorischen Diebstähle, Betrugsmaschen und astronomischen Transaktionsgebühren bei Bitcoin und anderen Kryptowährungen viele inzwischen an deren Zukunft zweifeln lassen, bildet sich grade ein merkwürdiger medialer Konsens heraus. Nicht Bitcoin ist das Zukunftsmedium, die Revolution — sondern die dahinterliegende Technik Blockchain. Die EU-Kommission hat nun eine Beobachtungsstelle Blockchain eingerichtet. Einen der schlechtesten Artikel zu diesem Thema habe ich heute im Online-Angebot der ARD entdeckt. Leider wurde der Text nach meiner Kritik auf Twitter nur unwesentlich überarbeitet. Aber was soll’s? Wenigstens ist er ein tolles schlechtes Beispiel, an dem man einige grundsätzliche Missverständnisse aufzeigen kann. Also los.”

Data Lake: Tauchen im Datensee

Die Grundidee für Data Lakes ist eigentlich ganz einfach: Starr strukturierte Datenbankformate wie klassische Data Warehouseses sind unternehmensweit durchgeplant und dementsprechend unflexibel. Verloren gehen dabei alle unstrukturierten Daten, die in einem Unternehmen so anfallen: E-Mails, Word-Dokumente oder Daten aus Systemen, die nicht ans Data Warehouse angebunden sind. Da liegt es nahe, alle Daten zentral in einem einzigen großen Repository zu speichern. Die Datenmengen, die dabei entstehen, sind so groß, vielfältig und unstrukturiert, dass Big-Data-Techniken eingesetzt werden müssen. So basieren Abfragen und Anwendungen von Data Lakes meist auf dem Hadoop-Framework oder Microsoft Azure.

Erfunden hat den Begriff James Dixon, CTO des Business-Intelligence-Software-Anbieters Pentaho. In einem Blogpost von 2011 vergleicht er den Data Mart aus einem klassischen Data-Warehouse-System mit einem Laden voller Wasserflaschen. Die Flaschen und ihr Inhalt sind gereinigt und einheitlich abgefüllt, können ohne großen Aufwand gelagert, transportiert oder aus dem Regal genommen und getrunken werden, aber niemand weiß, was im Abfüllprozess an interessanten Daten verloren gegangen ist. Der Data Lake hingegen steht für den See voller Wasser in seinem natürlichen Zustand. Dieser See wird aus einem stetigen Strom unstrukturierter Daten gefüllt, und wer sie auswerten möchte, kann ihn untersuchen, Proben nehmen oder darin tauchen.

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Links der Woche

  • What the Apple Watch gets wrong about human motivation:

    “This lack of depth in behavioral research shows in the Watch’s reward design. It’s not just that the Watch doesn’t take into account the recent stuff — the old stuff Skinner produced isn’t reflected, either — but Apple hasn’t participated in the kinds of verification studies that might give someone confidence in their approach to fitness.”

  • »Bei Bitcoin geht es weniger um Technologie als um Psychologie«:

    “Diese Idee zeugt von wenig Verständnis des
    Rechtssystems. Bei Gesetzen geht es nicht nur um Fakten, sondern auch
    Intention und Bedeutung, während Computerprogramme nur mit Fakten
    arbeiten. Das schlimmste an Smart Contracts ist ihre Unveränderbarkeit.
    Sie sollen in der Welt funktionieren. Was ist, wenn sich die Welt
    ändert? Was ist, wenn sich die Gesetze ändern und der Smart Contract
    etwas ausführt, was nun illegal ist? Es ist okay, Dinge zu
    automatisieren, aber es muss Eingriffsmöglichkeiten für Menschen geben.“

  • Die Höcke-Rede in Eisleben: Kriegsfantasien und Sprache — La Vie Vagabonde:

    “Wenn verbale Ausfälle kommen, werde ich immer etwas sagen. Immer. Immer immer. Denn wenn wir uns daran gewöhnen, wenn wir nicht mehr aufschreien, wenn man andere Menschen als Invasoren, als Plage, als Horde und ähnliches bezeichnen, wenn es nicht mehr schockierend ist, dass eine Gruppe Menschen eine andere Gruppe Menschen jagen, entsorgen, kasernieren und was weiß ich will, dann haben wir verloren. Ich will nicht irgendwann wie Victor Klemperer dasitzen, verwirrt, wieso keiner mehr was sagt, schockiert, wie sein Umfeld sich dem neuen Duktus und der neuen Linie unterordnet, während er verzweifelt darauf hofft, dass vom Ausland jemand eingreift, nur um dann festzustellen, dass das Ausland den Terror duldet. Dass sich das alles normalisiert hat. Irgendwie okay ist. Man sich gewöhnt hat.”

  • Reich ohne Staat:

    “Die Bitcoin-Euphorie der Alt-Right fügt sich in das paläolibertäre Bild vereinzelter Privatproduzenten und ihrer Kritik an staatlicher Finanzregulierung durch das Federal Reserve System. Auch für die Neoreaktionäre des sogenannten Dark Enlightenment und die Anhänger antisemitischer Verschwörungstheorien, die hinter den Zentralbanken die Macht des Weltjudentums halluzinieren, sind dezentralisierte Währungen attraktiv.“

Dein Telefon weiß, wie’s dir geht

Unter dem Begriff Gesundheitsapps versammeln sich die unterschiedlichsten Anwendungen. Vom Menstruationstracker bis zum Online-Yoga, vom ­Depressionstagebuch bis zur musikalischen Tinnitus-Behandlung. Dementsprechend ist von Scharlatanerie bis hin zu sinnvollen Apps alles vertreten. Nach Schätzungen gibt es etwa 100 000 Gesundheitsapps. Darunter die richtige zu finden, ist fast unmöglich, allerdings gibt es Orientierungshilfen: Für welchen Zweck suche ich eine passende App? Ist sie als medizinisches Hilfs­mittel in Deutschland zugelassen? Und von welchem Anbieter stammt sie?

Am bekanntesten sind sicherlich die klassischen Fitnessapps – Stichwort quantified self. Mit ihnen können Menschen die zurückgelegten Schritte vermessen, ihren Schlaf überwachen lassen oder protokollieren, wie viele Kalorien sie zu sich nehmen. Natürlich spricht wenig dagegen, Kalorien per App statt mit Stift und Papier zu zählen. Ein Problem ist, dass die üblicherweise in Smartphones und Smartwatches eingebauten Sensoren ungenau arbeiten. So liefern Schrittzähler verschiedener Hersteller für ein und dieselbe Strecke abweichende Ergebnisse. Wer ernsthaft Sport machen und beispielsweise für einen Marathon trainieren will, greift besser auf die etwas teureren professi­onellen Fitnesstracker aus dem Sportlerbedarf zurück.

Ähnlich sieht es mit Apps aus, die den Schlaf überwachen. Eventuell lassen sich damit Anomalien im eigenen Schlafverhalten messen und man kann feststellen, ob man schnarcht – jedenfalls wenn man alleine im Bett liegt. Die umfangreichen ­Messungen im Schlaflabor können diese Apps jedoch nicht ersetzen, sie liefern höchstens Anhaltspunkte. Ein weiteres Problem sind die Richtwerte, die solche Apps benutzen. So gibt es für die 10 000 Schritte, die man am Tag gehen soll, keine wissenschaft­liche Quelle.

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Das Next Big Thing könnte ein Auto sein

Als Apple vor etwas mehr als zehn Jahren das iPhone vorstellte, waren die Zutaten längst da: Mobiltelefone, Touchscreens sowie natürlich Taschencomputer und PDAs in verschiedenen Varianten. Was das iPhone einzigartig machen und einen riesigen Markt schaffen sollte, war also weniger eine konkrete Erfindung, als eine Kombination bekannter Technologien.

Besonders wichtig für den Erfolg war, es nicht als Computer für die Hosentasche zu gestalten. Denn der hätte wahrscheinlich nur Business-Anwender und IT-Nerds interessiert. Erst das Design als Telefon, also als vertrauter und einfach zu bedienender Alltagsgegenstand brachte den Durchbruch: Die Kunden waren es gewohnt, ein Handy mit sich herumzutragen. Nur dieses neue Handy von Apple konnte auch noch Fotos machen und Musik abspielen. Apps und Spiele von Whatsapp bis Candy Crush kamen quasi durch die Hintertür.

Noch heute kommt es vor, dass (zumeist ältere) Kunden sich Smartphones zeigen lassen mit dem Hinweis „Ich will damit eigentlich nur telefonieren“. Später entdecken sie, wie sie Familienfotos per Messenger tauschen und Scrabble gegen Freunde spielen können.

Es könnte sein, dass sich dieses Kunststück bald wiederholt. Der allen vertraute Alltagsgegenstand wäre dieses Mal das Auto, das sich in einen rollenden Computer verwandelt. Die entscheidende Zutat ist Sprachsteuerung. Die Technik ist vorhanden, wird derzeit aber vor allem in Smartphones und intelligenten Lautsprechern benutzt.

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Links der Woche

  • Bitcoin is none of the things it was supposed to be:

    “Let’s go back to the beginning of Bitcoin. The first stop for anyone seriously interested in Bitcoin is the Bitcoin white paper: the canonical document written by Bitcoin’s pseudonymous creator, Satoshi Nakamoto, in 2008. “I’ve been working on a new electronic cash system that’s fully peer-to-peer, with no trusted third party,” Nakamoto wrote when he posted the proposal to a cryptocurrency mailing list. This sentence describes everything Bitcoin was intended to be, and the qualities that first got people excited about it, the key terms being “cash,” “peer-to-peer,” and “no trusted third party.””

  • The Strange History of One of the Internet’s First Viral Videos:

    “But Loronix was developing DVR technology for security-camera systems and needed sample footage to demonstrate to potential clients how it worked. So Licciardi and his boss, chief technology officer Peter Jankowski, got an analog video camera and began shooting.”

  • Forget the Robot Singularity Apocalypse. Let’s Talk About the Multiplicity:

    Es ist sehr schön, wenn Leute dieses linear-exponentielle, schicksalshafte, “Alles ist vorgezeichnet”-Denken der “Singularität” lassen und mit anderen Konzepten kommen. Doof ist nur, wenn sie ihre Idee dann “Multiplicity” nennen. Wenn schon ironisch, dann lieber “Posttranshumanismus”. ;)

  • Die SPD und das Framing:

    “Lakoff fasst es wunderbar mit diesem Satz zusammen: „If you retweet it you can’t defeat it, and when you embed it you spread it“, was so viel heißt wie: Wenn Du es retweetest verlierst Du, wenn Du den Inhalt einbettest verbreitest Du ihn.”

  • Natur auf Kosten der Technik | Avenue:

    “Ein Bio-Apfel ist ein Biofakt par excellence. Sämtliche seiner Lebensphasen sind auf Technik angewiesen – und darauf, dass wir sie verkennen. Altertümliche Apfel-Sorten sind das Ergebnis komplexer Rück-Züchtungstechniken inklusive komplizierter Patentierungsstreits. Eine Vielzahl hochmoderner Agrartechniken sorgt auf Apfelplantagen für eine Ökologizität, die nur dank neuester Forschungserkenntnisse über das Zusammenspiel von Schädlingen und Nützlingen umzusetzen ist. Bevor der Bio-Apfel in den Supermarkt gelangt, sorgen Temperaturkontrollen, Barcodes und viel IT für die nötige Logistik.”

Das bisschen Facebook

Die Geschichte von »Brexit«, Donald Trump und dem Erstarken rechtsextremer Parteien in Europa ist eine Geschichte von Facebook und Twitter. So jedenfalls lautet eine beliebte Antwort auf die Frage, wie das alles geschehen konnte. Die Rede ist von Filterblasen in sozialen Medien, in denen Menschen nur noch mitbekommen, was ihrer ­eigenen Weltsicht entspricht. Es ist eine Geschichte sinistrer US-Konzerne, die mittels massenhafter Datensammlung und ausgefeilter Instrumente die zur Rechten tendierenden Wähler punktgenau adressieren und damit skrupellos Geschäfte machen. Und es ist eine Geschichte von ominösen russischen Hackern, die im Auftrag ihrer Regierung die öffentliche Meinung in westlichen Ländern manipulieren. Das Problem ist nur: Diese Geschichte stimmt nicht ganz. Sie greift zumindest viel zu kurz.

Ein Beispiel ist die Wahlkampagne Donald Trumps. Diese nutzte zweifellos erfundene Falschmeldungen, um Trump zu promoten und Hillary Clinton schlecht zu machen. Es ist angesichts des knappen Wahlausganges sogar gut möglich, dass diese Beeinflussung den Ausschlag gab. Übersehen wird dabei jedoch die Rolle der Massenmedien. Für sie war Trump mit seinen permanenten Grenzüberschreitungen ein ­Geschenk. Jahrelang hatten sie über Anzeigenschwund und sinkende Leserzahlen geklagt. Donald Trump, der Mann, der ständig den Hund beißt, hat ihnen größere Werbeerlöse, mehr Abonnements und höhere Einschaltquoten beschert – nicht nur Fox News und Breitbart News, sondern eben auch den linksliberalen Medien, die sich seither an Trump abarbeiten.

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Bitcoin: Das kommt nach dem Crash

Lange Zeit schien es nur nach oben zu gehen. Experten versprachen ewiges Wachstum. Leute, die sonst wenig bis nichts mit Finanzgeschäften zu tun haben, stiegen ein, weil die Zeitungen drüber berichteten. Manche nahmen gar Kredite auf, in der Hoffnung, dass die Kursgewinne höher als die Zinsen ausfallen würden. Eine Marktaufsicht existierte genauso wenig wie gesetzliche Regulierungen. Dann stagnierten vorübergehend die Kurse, der Markt wurde nervös und schließlich kam es zum Crash, der nicht nur viele Anleger ruinierte, sondern auch der Weltwirtschaft eine jahrelange Depression bescherte. Die Rede ist nicht vom Bitcoin sondern vom schwarzen Freitag 1929.

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