Was tun mit Facebook?

Zerschlagen, verstaatlichen, wenigstens streng regulieren: Wenn das Gespräch auf Facebook kommt, kursieren allerlei Rezepte. Die sind leider oft wenig durchdacht. Die Forderung, Facebook zu verstaatlichen, klingt nur auf den ersten Blick gut. Zwar würde Facebook so einer demokratischen Kontrolle unterworfen, aber nur so lange, wie besagter Staat auch eine Demokratie ist. Ein deutsches oder europäisches Staats-Facebook hieße, dass der Staat zum Datensammler würde. Er hätte direkten Zugriff auf sämtliche Postings und Nutzungsdaten. Er wüsste genau, wer mit wem kommuniziert und befreundet ist. Darüber hinaus bekäme der Staat auch noch Kontrolle über die Algorithmen zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung. Ein staatliches Soziales Netzwerk darf es aus den gleichen Gründen nicht geben, aus denen es auch keinen staatlichen Rundfunk gibt und Pressefreiheit herrscht.

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Sündenbock Zuckerberg

Nach dem Religionsphilosophen René Girard wird ein Sündenbock immer dann gebraucht, wenn eine Gemeinschaft gespalten ist und sich bedroht fühlt. Ihn verantwortlich zu machen hilft, diese Bedrohung nach außen zu verlagern und die Gemeinschaft wieder zu vereinen. Dieser Mechanismus lässt sich gerade in Echtzeit beobachten: Die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica erschleicht sich Daten von Millionen Facebook-Nutzern und versucht anschließend, damit den US-Wahlkampf zu beeinflussen. Dafür fließt Geld von republikanischen Wahlkampfmanagern, neurechten Gruppen und aus russischen Quellen. Doch im Focus der Öffentlichkeit steht Facebook. Demonstrativ stellen etliche Firmen ihre dortigen Aktivitäten ein und Anleger fordern sogar den Rücktritt von Mark Zuckerberg.

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Links der Woche

  • Hackathons are dystopian events that dupe people into working for free, say sociologists:

    “The sociologists point out that at many large tech companies, employees may feel compelled to attend weekend internal hackathons that are only designed to squeeze the innovation out of [their workers], for free.”

  • Die Mogelpackung:

    “In der öffentlichen Debatte ist vielfach das Missverständnis entstanden, es gehe Müller um das Modell des bedingungslosen Grundeinkommens. Das bedingungslose Grundeinkommen bedeutet, allen Bürgern eine bestimmte Summe zukommen zu lassen, ohne dass dafür eine Gegenleistung erwartet wird. Müllers Modell dagegen erinnert eher an eine Zwangsmaßnahme als an die unterschiedlichen Modelle, die als bedingungsloses Grundeinkommen diskutiert werden. Diese sollen Menschen vor prekärer Arbeit schützen, indem niemand aus finanziellen Gründen gezwungen wäre, sich für ­einen Hungerlohn zu verdingen.”

  • Hetze in Deutschland 4.0 – Frank Stauss:

    “Wir sind wieder dabei, uns zur Herrenrasse zu erklären. Diesmal zur Herrenrasse des gesellschaftlichen Fortschritts. Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, zu dem wir in unsere dunkelsten Abgründe zurückzufallen.”

  • Goldman Sachs report: „Is curing patients a sustainable business model?“:

    “In Goldman Sachs’s April 10 report, “The Genome Revolution,” its
    analysts ponder the rise of biotech companies who believe they will
    develop “one-shot” cures for chronic illnesses; in a moment of rare
    public frankness, the report’s authors ask, “Is curing patients a
    sustainable business model?“”

  • Is mir egal – über Body-Egalness | Das Nuf Advanced:

    “Und „egal“ ist das Stichwort. Ich finde nämlich nicht, dass man seinen
    Körper unbedingt lieben und irre toll finden muss. Diese
    Love-your-Body-alle-Menschen-sind-schön-Apelle sind für mich irgendwie
    befremdlich. Warum sollen alle schön sein müssen? Wenn man ständig dazu
    aufruft, dass man seinen Körper lieben muss und dass alle Menschen schön
    sind, dann folgt man irgendwie auch einem Schönheitsparadigma. Denn es
    geht offenbar nicht, dass man nicht schön ist. Alle sind schön, nur
    divers schön oder individuell schön aber eben auf jeden Fall schön. Ohne
    das Schönsein geht es auf jeden Fall nicht. Die Dimension ist schön –
    häßlich. Was anderes kommt nicht in Frage.“

  • Facebook’s data lockdown is a disaster for academic researchers:

    “Facebook recently announced dramatic data access restrictions on its app and website. The company framed the lockdown as an attempt to protect user information, in response to the public outcry following the Cambridge Analytica scandal. But the decision is in line with growing restrictions imposed on researchers studying Facebook and its photo-sharing app Instagram, which also began immediately restricting access to its data on April 4.”

  • Warum ich die Grüne Gentechnik verlasse:

    “Dennoch – meine Beschäftigung mit der Gentechnik und der Herstellung virusresistenter Pflanzen bedeutete, dass ich beständig mit zum allergrößten Teil negativen Reaktionen umgehen musste, die dieses Thema bei so vielen Leuten auslöst. Diese reichen vom plötzlichen peinlichen Verstummen von Alltagsgesprächen, sobald das Thema meiner Arbeit erwähnt wird, über hasserfüllte Troll-Tweets bis zur gelegentlichen Angst, dass Gegner unsere Forschung durch Zerstörungen zunichte machen könnten.”

Das Trolley-Problem und selbstfahrende Autos

Wenn es um selbstfahrende Autos geht, wird immer wieder das Trolley-Problem diskutiert. Das ist ein Gedankenexperiment: Eine Straßenbahn rast auf eine Gruppe Menschen zu. Die kann man retten, indem man eine Weiche umstellt, aber nur um den Preis, ein anderes Menschenleben zu opfern. Was tun? Dieses Gedankenexpeperiment wird in einem zynischen Überbietungswettbewerb möglicher Szenarien gerne auch auf autonome Fahrzeuge angewendet, etwa: Soll das Auto jetzt den Rentner überfahren oder die junge Frau mit dem Kinderwagen? In der Sendung „Kompressor“ bei Deutschlandfunk Kultur lege ich dar, warum ich es für Unsinn halte, dieses Gedankenexperiment auf selbstlenkende Autos anzuwenden.

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Links der Woche

  • Über die Piratisierung des öffentlichen Diskurses und was man dagegen tun kann:

    “Wichtiger wäre, den eigenen Standpunkt dazu klar zu machen, ohne die kritisierte Aussage direkt zu verlinken bzw. zu erwähnen. D.h. wenn Spahn sich wieder über Arbeitslosengeld zwei Empfängerinnen und Empfänger lustig macht, darlegen, warum Hartz IV abgeschafft werden sollte und nicht Spahn und seinen Aussagen Raum geben. Man muss sich solche polarisierenden Positionen wie Viren vorstellen, die sich sehr schnell verbreiten und dabei viel Schaden anrichten können. Man schützt sich mit Hygiene davor, man wäscht sich also die Hände, vermeidet Kontakt mit Menschen, von denen man weiß dass sie krank sind.“

  • Dutschke und das Attentat:

    “Bei dem Mordanschlag hatte Bachmann Seiten der rechtsextremen Deutschen National-Zeitung bei sich, darunter eine mit der Titelzeile »Stoppt den roten Rudi jetzt«. In seiner Wohnung wurde ein selbstgemaltes Porträt von Adolf Hitler gefunden. Soviel war schon kurz nach dem Attentat bekannt. Bachmann wurde als rechtsextremer Einzeltäter gesehen. Erst 2009 wurde durch Unterlagen der Stasi und der Westberliner Polizei bekannt, dass Bachmann über Jahre mit Nazis in Peine befreundet gewesen war.”

  • Wenn das Finanzamt Big Data entdeckt – Algorithmenethik:

    “Welche Algorithmen in den Computern der Finanzprüfer arbeiten, ist nicht nur in Deutschland ein sorgsam gehütetes Geheimnis. Auch ausländische Finanzministerien sind sehr darauf bedacht, potenziellen Steuerhinterziehern nicht allzu viele Einblicke zu geben.”

Sind Quantencomputer das Ende der Kryptographie?

Quantenmechanik ist eines dieser Themen, die Nichtphysiker schnell an ihre Grenzen bringen. Da ist von Verschränkung und spukhafter Fernwirkung die Rede und ein Teilchen ist in mehreren unvereinbaren Zuständen gleichzeitig, bis jemand nachsieht. Die Quantenmechanik ist nicht nur wegen ihrer komplizierten Mathematik so schwer zu fassen, sondern auch weil ihre Effekte unseren Alltagserfahrungen zu widersprechen scheinen. Esoteriker diverser Richtungen ziehen regelmäßig die Quantenphysik heran, um ihren Hokuspokus zu begründen. Während aber solch esoterischer Hokuspokus nie funktioniert, wenn er im Labor nachgestellt werden soll, ist die Korrektheit der Quantenmechanik bestens untersucht. Ohne Quanteneffekte gäbe es weder Transistoren noch Solarenergie. Die Quantentheorie erklärt Atommodell, Periodensystem und ist Basis für die gesamte Chemie. Doch die Königsdisziplin für die Anwendung der Quantenmechanik wäre ein Quantencomputer.

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Links der Woche

  • Bayern als Vorbild: Polizei soll bald nach genetischer Herkunft fahnden dürfen:

    “Befürworter der Erweiterten DNA-Anlayse haben zwei Lieblingsargumente. Sie verweisen auf erfolgreiche Ermittlungen im Ausland. Dabei lassen sie aber gerne den katastrophal schief gelaufenen ersten, bisher einzigen Einsatz der DNA-Analyse in Deutschland unter den Tisch fallen. Die Polizei schloss im Fall der ermordeten Polizistin Michelle Kiesewetter aus dem Spurenmaterial vom Tatort auf die „biogeografische Herkunft“ der vermeintlichen Täterin. Die Ermittlungen richteten sich daraufhin „ausschließlich gegen Angehörige der Minderheit der Sinti und Roma“, sagt der Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma.

    Später stellte sich jedoch heraus: Der rechtsextreme Nationalsozialistische Untergrund (NSU) verübte den Mord.”

  • Der Facebook-Skandal, aber sortiert – Dennis Horn – Medium:

    “Es gärt in mir, seit vor zwei Wochen der Skandal rund um Facebook, Cambridge Analytica und den Missbrauch von 50 Millionen Datensätzen ins Rollen gekommen ist. Denn ein gehöriger Teil der Berichterstattung zu dem Thema ist falsch — und ich glaube, man muss da einmal ein bisschen sortieren.”

  • Kuriere am Limit:

    »Wenn du Vollzeitfahrer bist, geht das meiste Geld für Verschleißkosten drauf, für neue Fahrradketten, Reifenmäntel und so weiter. Da sind schnell mal einige 100 Euro weg. Außerdem kannst du dir nichts leisten, weil du nicht weißt, ob der Lohn pünktlich bezahlt wird, ob du in einem Monat überhaupt noch beschäftigt bist oder das Geld dann für etwas anderes brauchst.«

  • SPRENGSATZ _Das Politik-Blog aus Berlin» Blog Archive » Destruktion als Programm:

    “Es gibt Debatten, die sind falsch, sinnlos und gefährlich. Prototyp dafür ist der Streit zwischen CSU und AfD auf der einen und CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke auf der anderen Seite, ob der Islam zu Deutschland gehöre.”

  • Was den Traditionshandel wirklich getötet hat und warum das nette kleine Geschäft gar nicht so tot ist wie man glaubt:

    “Das “Innenstadtsterben” – und vielleicht muss man dafür auch wieder älter sein, um das zu wissen – ist nämlich nicht neu und wurde schon in den Achtzigern thematisiert. Die immer gleichen Ketten und Kaufhäuser übernahmen mit den aggressivsten Methoden, die man sich vorstellen kann, die Fußgängerzonen so dass es heute keinen Unterschied macht ob man die Frankfurter Zeil oder die Kölner Schildergasse lang geht. Öffentliche Plätze, freie Sitzgelegenheiten und andere Möglichkeiten der nichtkommerziellen Nutzung der Innenstadtbereiche wurden rigoros abgebaut weil die Leute ja gefälligst ihr Geld ausgeben und nicht herumlungern sollten. (…) Der Online-Handel hat da nicht mehr viel ausrichten müssen.“

Die Zauberlehrlinge von Menlo Park

Sind Daten erst einmal im Umlauf, lässt sich nicht mehr kontrollieren, wer alles was damit anstellt. Und bei Fällen wie dem Cambridge-Analytica-Skandal ist kaum zu klären, wer eigentlich die Verantwortung dafür trägt.

Es gibt dieses Gerücht, wonach Facebook Nutzerdaten verkaufe. Das ist Unsinn. Facebook hütet seine Daten so gut es kann. Sie sind die Grundlage von Facebooks Geschäftsmodell. Was Facebook verkauft, sind nicht die Daten sondern es ist Aufmerksamkeit seiner Nutzer: die Möglichkeit, Werbung und zielgerichtet einem sehr genau ausgewählten Publikum zu zeigen. Das kann Facebook nur aufgrund der gesammelten Daten und würde es diese verkaufen, würde es seinen Rohstoff verkaufen, statt ihn zu vergolden. Deshalb ist der Skandal um Cambridge Analytica auch ein großes Problem, gerade für Facebook. Der Konzern hat einen Teil seiner Nutzerdaten nämlich sehr wohl weggegeben und zwar noch nicht mal gegen Geld. Das fällt Facebook heute auf die Füße. Aber warum sollte der Konzern so etwas dummes tun, wenn klar ist, dass Nutzerdaten sein größter Schatz sind? Die Antwort darauf liegt in der Vergangenheit. Das möglichst zielgenaue Anzeigen von Werbung war nicht von Beginn an Facebooks Geschäftsmodell. Im Gegenteil: Wie etliche andere Internet-Startups auch, hat Facebook zunächst mal Daten und Investorengelder eingesammelt, um erst später genauer zu überlegen, was sich damit anstellen ließe.

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Links der Woche

  • #verlagegegenrechts:

    “In Halle 3 hängte eine junge Frau Plakate für #verlagegegenrechts und
    andere Bündnisse auf. Es geschah mit Erlaubnis der Messe. Sofort wurde
    sie von Männern, die offenbar zu einem Magazin mit verleumderischen,
    aufhetzenden, Fakten ignorierenden Inhalten gehörten, gefilmt und
    bedrängt, man drohte ihr mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung,
    versuchte, sie einzuschüchtern.“

  • Hogwarts Analytica:

    “Nun haben sich die Briten tatsächlich für den Brexit und die US-Amerikaner für Trump entschieden, was beides im Vorfeld als eher unwahrscheinlich galt. Hat Cambridge Analytica also doch Magie eingesetzt und den Willen der Wähler|innen (auf wissenschaftlich nicht nachvollziehbare Weise) beeinflusst, auf Geheiß von Bannon, den Mercers und irgendwelchen Russen? Es ist natürlich eine tolle Story und wir tendieren dazu, das Unerklärbare dunklen Mächten und Verschwörer|inne|n in die Schuhe zu schieben.”

  • Das größte Opfer des Cambridge-Analytica-Falls wird Datenportabilität sein, und Facebook wird weiter verfestigt:

    “Facebook mag künftig stärker reguliert und staatlich überwacht
    werden. Aber die Marktführerschaft von Facebook wird gleichzeitig noch
    sicherer sein, als sie es ohnehin bereits ist. Wir bekommen wieder mehr Reibung und ein (vielleicht?) verringertes1 Missbrauchspotenzial, aber wir verlieren auch noch mehr jedwede Möglichkeit für mehr Vielfalt und Wettbewerb unter Social Networks. Zum Glück sind wir alle glücklich mit Facebook.“

  • Ab Sommer in Bayern: Das härteste Polizeigesetz seit 1945:

    “Das Gesetz kommt einem Ausbau der Polizei zum Nachrichtendienst gleich. Die Exekutive darf künftig präventive Ermittlungen ohne konkrete Hinweise auf Straftaten führen – damit kann die Polizei nun wie der Verfassungsschutz agieren. Zudem dürfen die Beamten künftig in Ausnahmefällen Handgranaten einsetzen, Post von Verdächtigen beschlagnahmen, IT-Systeme durchsuchen, V-Leuten einsetzen und Bodycams tragen.”